Suche

Bitte mit Enter bestätigen

Bewertung von Steuerberaterpraxen: Teil 1

Anlässe zur Bewertung von Steuerberaterkanzleien

In der Praxis gibt es eine Vielzahl üblicher Lebenssachverhalte, die die Wertermittlung einer Steuerkanzlei erforderlich machen. Die Steuerberaterkammer (StBK) hat am 6.3.2017 „Hinweise der Bundessteuerberaterkammer für die Ermittlung des Wertes einer Steuerberaterpraxis – unter Berücksichtigung der Besonderheiten des Berufsstandes und der verschiedenen Bewertungsanlässe“ beschlossen. Auch wenn diese Hinweise mangels Normcharakters unverbindlich bleiben, strahlen sie eine gewisse Autorität aus und der Markt ist geneigt, sich ihrer zu bedienen. Aber: Wann bedarf es denn überhaupt einer Bewertung?

Kauf und Verkauf

Bei einem Kauf bzw. Verkauf liegt eine Bewertung besonders nahe. Die Motive sind dabei völlig irrelevant. Fakt ist, dass der Verkäufer einen möglichst hohen Kaufpreis erzielen, der Käufer entsprechend wenig zahlen will. So sieht das auch die StBK. Ganz so einfach ist es dann bei näherer Betrachtung aber leider doch nicht. Und dies aus folgendem Grund: Im Rahmen des (Ver-)Kaufs entwirft regelmäßig ein einziger Berater für beide Seiten den Kaufvertrag und begleitet die Übertragung. Zum einen unterliegt diese Berater (meist Rechtsanwalt oder Steuerberater) der Schweigepflicht, zum anderen tritt die Interessenkollision in greifbare Nähe. Letztere, geregelt in § 356 StGB (sog. Parteiverrat), greift für Steuerberater zumindest, soweit er in seiner Funktion als Rechtsbeistand agiert (vgl. MüKo-StGB/Dahs, 2. Aufl. 2014, § 356 Rn. 21). Für Rechtsanwälte gilt daneben § 43a Abs. 4 BRAO.

Ausscheiden von Gesellschaftern

Weiterhin treten häufig Gesellschafter in die Kanzlei ein und/oder andere scheiden aus. Wie ermittelt sich nun der Wert des veräußerten Geschäftsanteils bzw. die für die Anteilsübernahme durch die anderen Gesellschafter zu zahlende Abfindung? Das goldene Ei stellt der Mandantenstamm des Gesellschafters dar, den er beherzt aufgebaut und gepflegt hat. Grundsätzlich kann ein Gesellschafter seinen Mandantenstamm „mitnehmen“. In den meisten Fällen wird der Sozietätsvertrag allerdings Klauseln beinhalten, die solche Mitnahmen zur Kanzleimandantschaft nach Ausscheiden zeitlich, räumlich und gegenständlich beschränken (vgl. hierzu BGH, Urteil v. 14.7.1997 – IIZR 238/96, NJW 1997, 3089; Römermann, NJW 2002, 1399). Im Gegenzug zur Einschränkung seiner Wettbewerbsfähigkeit erhält der Ausscheidende eine Kompensation – eine Abfindung. Da es hier um viel Geld gehen kann, streiten die Beteiligten allzu oft erbittert um die Abfindungshöhe und Wirksamkeit von Wettbewerbsbeschränkungen.

Zugewinnausgleich

Werden Ehepartner geschieden, gilt es außerdem im Rahmen des Zugewinnausgleichs den Gesellschaftsanteil in Anschlag zu bringen, um das Vermögen des Partners zu ermitteln. 

Tod des Kanzleiinhabers

Verstirbt ein Gesellschafter, bedarf es der Wertermittlung zu Zwecken der Erbauseinandersetzung und Erbschaftsteuer. Hat die Kanzlei nur einen Inhaber, empfiehlt die StBK den schnellstmöglichen Verkauf oder eine professionelle Abwicklung. Das liegt auf der Hand: Mit Bekanntwerden des Todes suchen sich die Mandanten anderweitig Betreuung. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Der Verkauf gelingt in aller Regel zu spät, es kommt also in jedem Fall zu erheblichen Werteinbußen. Nach § 70 StBerG erlischt ein Mandatsvertrag, wenn nicht eine sozietätsfähige Person übergangslos eintritt oder eine Abwicklung durchgeführt wird. Die Realität zeigt außerdem: Ein schneller Verkauf gelingt fast nie; der Praxiswert verpufft zeitgleich mit der Todesnachricht. Somit kommt es meist zur Zerschlagung. 

Wer sein Lebenswerk (oder das des Erblassers) nicht so leichtfertig aufgeben kann oder möchte, wird die Mandate auf den Käufer überleiten wollen. Auch wenn die Vertragsfreiheit den Parteien diesbezüglich einen großen Gestaltungsspielraum gibt, darf man nicht vergessen, dass es sich beim Mandat um nichts Geringeres als um in Verträge gegossene Vertrauensbeziehungen handelt. Erzwingen kann man mithin nicht viel. Die Überleitung unter Lebenden gestaltet sich dennoch naturgemäß weitaus einfacher als im Todesfall.

Zusammenfassung

Vielfältig sind die Anlässe zur Bewertung des Praxiswertes und ebenso vielfältig die damit in der Praxis verbundenen Probleme. Der Teufel steckt im Detail. Wer sich vertraglich absichert, kann ggf. substanzielle Vermögenswerte sichern. 
 

Ausführlich hierzu: Prof. Dr. Volker Römermann: Bewertung von Steuerberaterpraxen nach den Hinweisen der BStBK, In: NWB Nr. 26 vom 25.06.2018, Seite 679ff.
Autoren
  • Prof. Dr. Volker Römermann
    Prof. Dr. Römermann ist Vorstand der Römermann Rechtsanwälte AG und als Experte insbesondere im Gesellschaftsrecht, Insolvenzrecht und im Recht der freien Berufe bekannt.
    mehr ...
  • Lars Grupe, M.L.E.
    Dipl.-Jur. Lars Grupe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Römermann Insolvenzverwalter Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Sein Studium führte ihn bereits nach Göttingen und Oslo. Er hat zudem einen Magister in Europarecht (M.L.E.) und promoviert derzeit im internationalen Wirtschaftsrecht.
    mehr ...