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Vermögensberatung für Steuerberater unproblematisch

Ein zulässiges Geschäftsfeld

Für Steuerberater lohnt sich immer mehr, neben ihrer eigentlichen steuerberatenden Tätigkeit neue Geschäftsfelder zu erschließen. Dazu kann die Beratung seiner Klienten im Bereich der Anlage- und Vermögensberatung gehören. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern solch eine beratende Tätigkeit berufsrechtlich zulässig ist. Wesentlich ist die Regelung des § 57 StBerG, die festlegt, welche Tätigkeiten mit seinem Beruf vereinbar sind. 

1. Wirtschaftsberatung vereinbar

§ 57 Abs. 3 Nr. 3 StBerG sieht vor, dass insbesondere eine wirtschaftsberatende Tätigkeit mit dem Beruf des Steuerberaters vereinbar ist. Unklar ist allerdings, was das Gesetz mit dem Begriff der Wirtschaftsberatung konkret meint. Darunter können bspw. die Subventions- und Fördermittelberatung, die Personalberatung und die Vermögensberatung fallen.

Will der Steuerberater nun im Bereich der Anlage- und Vermögensberatung aktiv werden, muss das also der Wirtschaftsberatung im Sinne des § 57 Abs. 3 Nr. 3 StBerG unterfallen.

a. Anlage- und Vermögensberatung

Unter den Begriff der Anlageberatung fallen alle Tätigkeiten, die über die bloße Vermögensdarstellung und -analyse sowie die Vermögensplanung hinausgehen. Dabei geht es bei ihr in erster Linie darum, dass für den Mandanten unter Berücksichtigung seiner Anlagewünsche und –strategie entsprechende Finanzprodukte ausgewählt werden. Um diese Wahl „richtig“ treffen zu können, muss der Berater im ersten Schritt eine an den Bedürfnissen des Mandanten orientierte Anlagestrategie entwerfen. Meist wird sich bei diesem Prozess herausstellen, dass verschiedene Ansätze sinnvoll sein können. Daraus ist letztlich die günstigste zu wählen. Unter Berücksichtigung dieser Erkenntnisse werden dann die entsprechenden Anlageprodukte ausgewählt.

In Abgrenzung zur Vermögensberatung ist die Anlageberatung dort zu sehen, wo gegenüber dem Klienten einzelne, auf ein bestimmtes Anlageprodukt bezogene Kauf- oder Verkaufsempfehlungen ausgesprochen werden.

b. Vermögensverwaltung

Daneben existiert noch der Begriff der Vermögensverwaltung. Er umfasst ein Tätigwerden des Verwalters zu Gunsten seines Klienten im Hinblick auf dessen gesamte Vermögensmasse oder einzelne Bestandteile hiervon. Bei der Vermögensverwaltung gestattet der Klient seinem Verwalter, über einzelne Vermögensbestandteile des Mandanten eigenverantwortlich auf dessen Rechnung zu verfügen.

2. Vereinbarkeit der Anlageberatung

Im StBerG ist nicht ausdrücklich geregelt, ob eine Anlageberatung mit dem Beruf des Steuerberaters vereinbar ist. Dagegen spricht zunächst, dass ein Steuerberater bei seiner beruflichen Tätigkeit unabhängig zu sein hat – eine Vorgabe des Berufsrechts. Die Unabhängig könnte dadurch in Frage gestellt werden, dass ein konkretes Anlageprodukt eines Anbieters empfohlen wird. Allerdings stellt das nur dort ein Problem dar, wo die Empfehlung nicht mehr neutral ist. Das wird definitiv dort anzunehmen sein, wo der Steuerberater für den Vertrieb eines Produkts eine Provision erhält. Dann dient er letztlich zwei Herren: dem Mandanten und dem Anbieter. Im Übrigen verbietet § 9 StBerG die Annahme von Provisionen.

Hat der Steuerberater allerdings für seinen Mandanten lediglich verschiedene Anlageprodukte analysiert mit dem Ziel herauszufinden, ob diese dem Anlageziel entsprechen, ist darin keine Gefährdung der Unabhängigkeit zu sehen.

3. Vereinbarkeit der Vermögensberatung

Stuft man die Vermögensberatung als die Verwaltung fremden Vermögens ein, so kann darin eine Treuhandtätigkeit gesehen werden. Eine solche ist grundsätzlich mit dem Beruf des Steuerberaters vereinbar.

Problematisch kann es allerdings dort werden, wo Treuhandtätigkeit von einer Gewinnerzielungsabsicht geprägt wird. Allerdings wird sich diese Absicht im wirtschaftlichen Bereich in den seltensten Fällen ausschließen lassen. Deshalb kann das kein Kriterium sein, nach dem zu entscheiden ist, ob die Tätigkeit vereinbar ist.

Solange also der Steuerberater im Rahmen einer vermögensverwaltenden Tätigkeit die Grenzen beachtet, die er auch bei der Anlageberatung nicht aus den Augen verlieren darf, sind keine Anhaltspunkte erkennbar, die gegen eine Zulässigkeit gemäß § 57 StBerG sprechen.

4. Ausnahmegenehmigung

Kurz sei noch erwähnt, dass der Steuerberater auch bei einer gewerblichen Tätigkeit die Möglichkeit hat, sich von der Steuerberaterkammer hierfür eine Ausnahmegenehmigung erteilen zu lassen. Voraussetzung hierfür ist, dass die Verletzung von Berufspflichten nicht zu erwarten ist. Wird die Ausnahmegenehmigung nicht oder nicht wie beantragt erteilt, besteht die Möglichkeit einer gerichtlichen Überprüfung.

5. Fazit

Sowohl für den Steuerberater als auch seinen Mandanten kann die Erweiterung des Angebotsspektrums auch in den Bereich der Anlage- und Vermögensberatung einen Vorteil darstellen. Die berufsrechtlichen Vorgaben hierzu sind überschaubar, solange keine Provisionen von Dritten fließen.

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