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Entfernungspauschale bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung

Die „doppelten“ Fahrtkosten zum Vermietungsobjekt

Wer eine Wohnung vermietet und dadurch Mieteinkünfte erzielt, hat in der Regel Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. In vielen Fällen befindet sich das Vermietungsobjekt einige Kilometer entfernt von der eigenen Wohnung. Es ist daher nachvollziehbar, dass ein Vermieter von Zeit zu Zeit zum Vermietungsobjekt fahren möchte, um Zählerstände zu kontrollieren, kleine Reparaturen selbst durchzuführen oder auch um einfach nur nach dem Rechten zu sehen. Da die Fahrten der Einkunftserzielung dienen, können sie als Werbungskosten geltend gemacht werden. 

Wenn jemand Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung erzielt, kann er die Werbungskosten von den Einnahmen abziehen, also die Aufwendungen, die zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen getätigt werden. Dazu gehören auch – wie bei jeder Berufstätigkeit – Fahrtkosten für die Wege zwischen der Wohnung und der ersten Tätigkeitsstätte in Höhe von EUR 0,30 für jeden vollen Kilometer, § 9 Abs. 3, § 9 Abs. 1 S. 3 Nr. 4 EStG. Oftmals wird dabei verkannt, dass es sich dabei um die einfache Fahrt handelt, das heißt nur eine Strecke berücksichtigt werden darf, nicht jedoch die Hin- und Rückfahrt.

Die Immobilie kann dabei ausnahmsweise eine (regelmäßige) Tätigkeitsstätte des Vermieters darstellen, wenn er mit einer gewissen Nachhaltigkeit fortdauernd und immer wieder das Vermietungsobjekt aufsucht und dort schwerpunktmäßig tätig ist. Das ist aber immer im Einzelfall zu prüfen und zu bewerten. Hierfür berücksichtigt man unter anderem die Anzahl der Fahrten und auch die Gründe. Werden zum Beispiel tägliche Hausmeistertätigkeiten erbracht, stellt dies ein Indiz für eine (regelmäßige) Tätigkeitserbringung dar, mit der Folge, dass der Vermieter „nur“ die Höhe der Entfernungspauchale ansetzen darf, also EUR 0,30 für jeden vollen Kilometer zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte, also die einfache Fahrt.

Anders verhält es sich, wenn der Vermieter nur gelegentlich das Vermietungsobjekt aufsucht. So hat zum Beispiel der BFH in seinem Urteil vom 01.12.2015 – IX R 18/15 entschieden, dass Werbungskosten in derartigen Fällen nach den Regeln für Dienstreisen berücksichtigt werden können. Ein solcher Fall liegt unter anderem vor, wenn die Wohnung neu vermietet werden muss und man sich mit potentiellen Mietern trifft oder, wie oben bereits ausgeführt, wenn Zählerstände abgelesen bzw. kleine Reparaturen selbst durchgeführt werden sollen. In solchen Fällen ist es ist also möglich entweder die tatsächlichen Kosten oder die Reisekostenpauschale von EUR 0,30 je gefahrenen Kilometer abzusetzen, also die Kosten für die Hin- und Rückfahrt. Anders als im oben genannten Fall, können daher „doppelte“ Fahrtkosten geltend gemacht werden.

Das bedeutet, wer regelmäßig zu seinem Vermietungsobjekt fährt, kann nur EUR 0,30 für die Entfernung ansetzen (also für die einfache Fahrt). Fährt er stattdessen nur gelegentlich zur Immobilie, kann er wählen, ob er die tatsächlichen Kosten ansetzt (etwa die Bahn- oder Flugkosten oder aber auch die tatsächlich entstandenen Fahrtkosten) oder aber die Pauschale von EUR 0,30 für jeden gefahrenen Kilometer ansetzt, also für die Hin- und Rückfahrt.

Gerade bei größeren Entfernungen könnte dann auch der Verpflegungsaufwand berücksichtigt werden. Er beträgt EUR 12,00 bei Abwesenheit von über acht Stunden, bzw. EUR 24,00 bei Ganztagesreisen. Den Verpflegungsmehraufwand werde ich jedoch in einem späteren Blogbeitrag erläutern.

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