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Die dozierende Tätigkeit als Fortbildung iSd § 15 FAO

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold - Oder doch nicht? 

§ 15 Abs. 1 FAO schreibt für alle Fachanwälte vor, dass derjenige, der eine Fachanwaltsbezeichnung führt, kalenderjährlich auf diesem Gebiet wissenschaftlich publizieren oder an fachspezifischen der Aus- oder Fortbildung dienenden Veranstaltungen hörend oder dozierend teilnehmen muss.

Fortbildungspflicht

Der Fachanwalt muss also jährlich nachweisen, dass er mindestens 15 Zeitstunden an einer Fortbildungsveranstaltung für sein Fachgebiet hörend und dozierend teilgenommen hat. Dabei muss es sich um eine Veranstaltung handeln, die nicht nur das Basiswissen erneuert, vermittelt oder wiederholt, sondern dem Aufbau, der Vertiefung und der Aktualisierung bereits vorhandener Kenntnisse dient. Die Fortbildungsveranstaltung muss daher anwaltlichen Bezug haben und interdisziplinär ausgestaltet sein.

Kein Unterschied zwischen hörender und dozierender Teilnahme 

Die jetzige Fassung des § 15 FAO sieht dabei jedoch keine Unterscheidung zwischen der hörenden und der dozierenden Teilnahme vor. Dabei liegt der Unterschied klar auf der Hand: Der Dozent einer fachspezifischen Veranstaltung wendet ein erhebliches Maß für die Vorbereitung dieser Veranstaltung auf; die dozierende Durchführung der Veranstaltung ist – im Regelfall – weitaus anstrengender, als die bloße Teilnahme.  

In der Kommentarliteratur wird dieses Phänomen weitestgehend ausgespart, einzelne Autoren verneinen sogar die Anrechnung einer entsprechenden Vorbereitungszeit (so bspw. Vossbürger in: Feuerich/Weyland, BRAO/FAO, 9. Auf 2016, § 15 Rn. 4b). Dies ist falsch und wird dem erheblichen Mehraufwand des Dozenten nicht gerecht.  

FAO-Änderung

Die Satzungsversammlung der Bundesrechtsanwaltskammer hat nunmehr in der 4. Sitzung der 6. Satzungsversammlung am 19.05.2017 (pdf-Download auf www.brak.de) die Einführung eines  neuen § 15 Abs. 1 S. 3 FAO beschlossen; dieser soll wie folgt lauten: „Bei dozierender Teilnahme ist die Vorbereitungszeit in angemessenem Umfang zu berücksichtigen“. 

Diese Regelung ist zu begrüßen; bleibt nur die Frage offen, was ein angemessener Umfang ist. Realistischerweise wird die Vorbereitungszeit für eine FAO-Veranstaltung das drei- bis vierfache der reinen Vortragszeit ausmachen, vermutlich sogar mehr.

Autor
  • Tim Günther
    Tim Günther berät in Fragen des gewerblichen Rechtsschutzes und des Versicherungsrechts und vertritt Angehörige der freien Berufe in berufsrechtlichen Angelegenheiten.
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