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Digitalisierung von Insolvenzverfahren

Insolvenzverfahren 4.0

Angesichts der rückläufigen Verfahrenszahlen wird die Digitalisierung von Insolvenzverfahren erörtert, um Verfahren schneller und kostengünstiger zu gestalten. Doch die Umsetzung wirft Fragen auf.

Worum geht es?

Die Diskussion um die Digitalisierung im Anwaltsbereich ist angelehnt an die in der Industrie verfolgte Vernetzung von Digitalisierungs-, Kommunikations- und Automatisierungstechniken zur Steigerung des Wertschöpfungsprozesses. Einer der neuesten Juve-Artikel am 02.11.2016 befasst sich mit der Digitalisierung in größeren Rechtsabteilungen und mahnt zum Umdenken in der Rechtsberatung. Genannt wird die Software Leverton, die bei der Due Diligence von Immobilientransaktionen einsetzbar ist, aber auch bei der Prüfung von Mietverträgen. Die Bucerius-Law-School und die Boston Consulting Group haben Studien über den Einfluss von Technologie auf die juristische Profession erstellt. Großkanzleien unterstützen Startups, die sich mit der Entwicklung entsprechender Softwaresysteme befassen. Die allerorts geführte Diskussion hat auch vor der Insolvenzverwalter-Szene nicht Halt gemacht (s. hierzu Niering, INDat Report 04_2016).

Was ist das Ziel?

Ziel der aktuellen Diskussion ist die Verkürzung der jeweiligen Verfahrenslaufzeit und eine Verbesserung der Verfahrensergebnisse. Bereits jetzt unterliegt der Insolvenzverwalter einer hohen Kontrolle. Denn Datenerhebungen führen zwischenzeitlich nicht mehr nur bei Gläubigern zu einer Bewertung von Laufzeit und Quote. Insolvenzgerichte, darunter Hannover und Berlin Charlottenburg, führen bereits neue Vorauswahllisten, denen detaillierte Datenerhebungen über Verfahren, Laufzeit und Quote zugrunde liegen und die dazu dienen sollen, die Qualität und Effizienz in der Verfahrensbearbeitung zu steigern.

Gibt es bereits standardisierte Verfahrensabläufe in der Insolvenzverwaltung?

Viele Arbeitsabläufe sind in den meisten Verwalterkanzleien bereits in einem Qualitätsmanagement-Handbuch festgeschrieben. Bearbeitungsschritte sind darin standardisiert und damit bereits - durch entsprechende Verlinkungen zu Mustern und Vorlagen – „automatisiert“.  Dies dient der Effizienzsteigerung, soll die Kontinuität in der Verfahrensbearbeitung garantieren und helfen, Fehlerquellen zu vermeiden. Jährliche Zertifizierungen dienen dazu, die Einhaltung dieser selbst  festgeschriebenen Standards zu gewährleisten. Eine einheitliche Zertifizierung jedes Verwalterbüros gibt es nicht.    

Was kann verbessert werden?

Eine technologische Verknüpfung des Insolvenzgerichts mit dem jeweiligen Verwalterbüro könnte eine Verfahrenstransparenz schaffen, wie sie bisher durch die Schaffung selbst auferlegter Standards nicht möglich ist. Gegenwärtig ist eine Berichterstattung im jeweiligen Verfahren innerhalb eines halben Jahres der Regelfall. Teilweise wird eine Berichterstattung binnen eines Jahres verlangt. Gegebenenfalls könnte die Notwendigkeit einer Berichterstattung gänzlich entfallen, da das Gericht tagaktuell über den Verfahrensstand informiert ist.  Die Standardisierung von Berichtsinhalten und Berichtsformaten, wie sie teilweise vorgeschlagen wird, wäre auf diesem Weg nur ein Zwischenschritt.

Für Gläubiger gibt es bereits das sog. „GIS“, ein Gläubigerinformationssystem, das es ermöglicht, auf der Internetseite des jeweiligen Verwalterbüros über den Verfahrensstand Auskunft zu erhalten. Dieses System könnte optimiert werden, in dem Fragen durch ein System vorab kategorisiert und im Anschluss automatisch beantwortet werden. Dies wäre durchaus denkbar. Mittels entsprechender Software ist es bereits möglich, in einem Textfeld nach Stichpunkten zu suchen und auch in der Datenmenge eines Großverfahrens die nötige Information zu filtern.

Bereits seit längerer Zeit diskutiert wird die Schaffung von Anreizen, damit sich Gläubiger mehr am Verfahren beteiligen. Technologische Möglichkeiten sind bereits vorhanden, beispielsweise mit Skype for business, einer Plattform für Video-Telefonie, die im Wirtschaftsleben bereits vielfach im Einsatz ist. Denkbar wäre, diese Technologie auch für Gläubigerversammlungen nutzbar zu machen.

Wie könnten die Verwalterpraxis und die des Sachverständigen in der Zukunft aussehen?

Für die Tätigkeit des Insolvenzsachverständigen in kleinen Verfahren wäre es denkbar, dass das Gutachten bereits weitestgehend automatisiert erstellt wird. Dies würde allerdings voraussetzen, dass der jeweilige Schuldner oder der Geschäftsführer einer Firma die entsprechenden Daten auch liefert. Das persönliche Gespräch zwischen den Verfahrensbeteiligten kann durch die Schaffung neuer Technologien und automatisierter Verfahrensabläufe sicher nicht ersetzt werden. Bei einer Kosteneinsparung an anderer Stelle bliebe hierfür jedoch mehr Zeit.

Autor
  • Friederike Engelmann-Matz, LL.M.
    Friederike Matz ist schwerpunktmäßig mit der Insolvenzverwaltung sowie der Restrukturierung und Sanierung von Unternehmen befasst. Des Weiteren ist sie insbesondere im Handels- und Gesellschaftsrecht tätig.
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