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Berufsrecht und Digitalisierung

Legal Tech – Digitalisierung im Anwaltsmarkt im Lichte des anwaltlichen Berufsrechts

Legal Tech ist derzeit in aller Munde. Ganze Kongresse und Bücher widmen sich diesem Thema, aber kaum einer weiß, was es damit auf sich hat und welche berufsrechtlichen Probleme sich ergeben könnten. Im Grunde verbirgt sich hinter dem Begriff Legal Tech „nur“ die fortschreitende Digitalisierung des Rechtsmarkts. 

Ausprägungen von Legal Tech 

Die Digitalisierung des Beratermarktes schreitet derart schnell voran, dass selbst Hartgesottene kaum Schritt halten können. Bestes Beispiel dafür ist die Einführung des besonderen elektronischen Anwaltspostfaches (beA) für Rechtsanwälte, welches in seinem ersten Anlauf prompt vom AGH Berlin im Sommer 2016 via einstweiliger Anordnung zunächst wegen eines Rechtsverstoßes gestoppt wurde und nach diversen Sicherheitsmängeln erst kürzlich online ging.

Die fortschreitende Digitalisierung lässt sich insgesamt im Wesentlichen in zwei Bereiche aufteilen: den Dienstleistungsbereich und den Marketingbereich. Im Dienstleistungsbereich fängt die Digitalisierung dort an, wo Kanzleien Software einsetzen, um große Datenmengen zu bearbeiten oder zu sortieren. Auch das Outsourcing an entsprechende Dienstleister gewinnt zunehmend an Attraktivität, um den steigenden Anforderungen der Mandantschaft in puncto Schnelligkeit und Professionalität nachzukommen sowie dem Kostendruck stand zu halten. Im Marketingbereich setzen Kanzleien zunehmend auf die Akquise im Internet. Dieser Trend ist im Rechtsberatungsmarkt bereits jetzt weit verbreitet (Beispiele sind myright.de, flightright.de, geblitzt.de, fragrobin.de oder abfindungsheld.de). Berufsrechtliche Probleme bringen sämtliche Varianten mit sich.

Berufsrechtliche Anforderungen

Diese zunehmende Digitalisierung führt jedoch dazu, dass selbst etablierte berufsrechtliche Grundsätze – wie bspw. die Schweigepflicht – neu überdacht werden und alte Grundsätze – die Mandatsvermittlung – neu interpretiert werden müssen. Auch die Frage nach einer Erweiterung des Spektrums angebotener Dienstleistungen muss unter dem Blickwinkel des RDG und der zunehmend softwarebasierten Informationsflut neu definiert werden. Ob bei AGB-Prüfungen oder der Erstellung von Standardverträgen, in Inkassofällen oder bei der massenhaften Abwicklung gleichgelagerter Fälle (bspw. Kündigungsschutzklagen oder VW-Klagen), immer häufiger übernehmen Algorithmen diese (juristischen) Aufgaben. 

Mit diesen Fragen des anwaltlichen Outsourcings von Dienstleistungen (nach § 43e Abs. 1 BRAO), der Mandatsgewinnung über Online-Plattformen (im Lichte der Mandatsvermittlung des § 49b Abs. 3 BRAO), der Erbringung von Rechtsdienstleistungen, vor allem der Erteilung von Rechtsrat im Internet (nach dem RDG) und der Werbung im Online-Bereich (§ 43b BRAO) beschäftigt sich unser Beitrag im gerade erschienenen Wirtschaftsführer für junge Juristen des Richard Boorberg Verlags auf den Seiten 19-21. Dieser ist direkt und kostenfrei als pdf-Datei online abrufbar unter www.boorberg.de/studium/Der+aktuelle+Wirtschaftsf%c3%bchrer.

Autor
  • Tim Günther
    Tim Günther berät in Fragen des gewerblichen Rechtsschutzes und des Versicherungsrechts und vertritt Angehörige der freien Berufe in berufsrechtlichen Angelegenheiten.
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