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Anklage im Strafprozess um die Love-Parade 2010 in Duisburg wird nicht zugelassen

Loveparade-Tragödie: Anklage gegen die Mitarbeiter des Veranstalters gescheitert

Hamburg, 5. April 2016 – Das Landgericht Duisburg hat heute mitgeteilt, dass die Anklage im Strafverfahren um die Loveparade-Katastrophe nicht zugelassen wird. In den Entscheidungsgründen legt das Landgericht Duisburg dar, dass den Angeschuldigten kein Fehlverhalten nachweisbar sei. Aufgrund der „Lückenhaftigkeit (…) des Ermittlungsergebnisses“ bestehe keine Grundlage für eine Eröffnung des Hauptverfahrens. Der von der Anklage als Beweismittel benannte Gutachter Prof. Dr. Keith Still habe schlampig gearbeitet und sei voreingenommen, sein Gutachten sei nicht verwertbar.

„Mit einem Prozess wäre niemandem geholfen. Es gibt bereits so viele Opfer, der Fall Loveparade ist für alle Beteiligten und deren Angehörige eine Tragödie. Wir brauchen nicht auch noch Angeschuldigte, die zu Opfern einer aus dem Ruder gelaufenen Staatsanwaltschaft werden“, so Rechtsanwalt Prof. Dr. Volker Römermann, der zusammen mit den Rechtsanwälten Ioannis Zaimis und Dr. Philip von der Meden von der Römermann Rechtsanwälte AG als Verteidiger einen Angeschuldigten vertritt, der für den Veranstalter Lopavent tätig war.

Im Beschluss des Landgerichts Duisburg wird dargelegt, dass das Gutachten des im Ermittlungsverfahren beauftragten Sachverständigen Prof. Dr. Still „auch inhaltlich das Bestehen der von der Anklage angenommenen Sorgfaltspflichten, die angeklagten Sorgfaltspflichtverletzungen sowie deren Kausalität bzw. Realisierung im konkreten Taterfolg nicht tragfähig belegt“. Rechtsanwalt Dr. Philip von der Meden sieht daher, dass die Entscheidung des Landgerichts Duisburg zeigt, „dass die Gewaltenteilung in Deutschland funktioniert. Sie ist ein Paradebeispiel für den Wert einer unabhängigen Justiz.“

Beim Unglück während der jährlich veranstalteten Technoparade Loveparade im Jahre 2010 in Duisburg waren 21 Menschen ums Leben gekommen. Gegen sechs Bedienstete der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent hatte die Staatsanwaltschaft Duisburg daraufhin im Februar 2014 Anklage wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung erhoben. Nun gab das Landgericht Duisburg bekannt, dass die Anklage gegen zehn Angeschuldigte nicht zur Hauptverhandlung zugelassen wird.
 

Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)
Autor
  • Dr. Philip von der Meden
    Dr. Philip von der Meden ist Fachanwalt für Strafrecht und berät Unternehmen sowie Privatpersonen bei strafrechtlichen Problemstellungen. Er ist sowohl in der Präventivberatung als auch in der Verteidigung tätig. 
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