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Gastbeitrag: Erfahrungsbericht zum Moot Court-Wettbewerb in Hannover

Soldan Moot Court – angehende Rechtsanwälte zeigen ihr Können

Der Soldan Moot zur Anwaltlichen Berufspraxis ist ein bundesweiter Moot Court-Wettbewerb für Studierende deutscher Jurafakultäten, der in Hannover ausgerichtet wird. Bei einem Moot Court wird anhand eines fiktiven Falls ein Gerichtsverfahren simuliert und die Studierenden haben auf diese Weise die Gelegenheit die forensische Tätigkeit von Rechtsanwälten kennen zu lernen. Wir konnten mit unserer Kanzlei wieder zwei Teams von der Humboldt-Universität zu Berlin unterstützen und freuen uns sehr über die erfolgreiche Teilnahme. Mia Wätzel aus Team I teilt im folgenden Gastbeitrag ihre Erfahrungen:

Dieses Jahr nahmen zwei Teams der Humboldt-Universität zu Berlin am 5. Soldan Moot Court teil. Die Teilnahme am Soldan Moot Court startete damit, dass die freudige Nachricht über die Zusage mit stolzgeschwellter Brust an die Familie weitergeleitet wurde. Die Frage der Verwandten, ob man da jetzt besonders mutig sein müsse, ließ nicht lange auf sich warten. Ganz unberechtigt ist diese Frage gar nicht – die Teilnahme an einem Moot Court erfordert neben Fleiß, Schweiß, Blut und Tränen auch den Mut, vor gestandenen Juristinnen und Juristen seine Rechtsauffassung überzeugend darzustellen.

Es kommt in Hannover nicht nur auf das Auftreten als Kläger- oder Beklagtenvertreter an, sondern auch auf die Leistung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Erarbeitung der Schriftsätze sowohl für Kläger- als auch für Beklagtenseite. Am 6. Juli 2017 stand die fiktive Fallakte zur Bearbeitung für Alicia Riesner, Leonie Kunze, Prisca von Hagen und Mia Wätzel (Team I)  und  Emma Bruhn, Maren Busch, Timothy Stachelhaus  und Alexandra Schmidt (Team II) bereit. Für den diesjährigen Fall mussten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Köpfe über mangelhafte Windkraftanlagen, einen unter dubiosen Umständen zustande gekommenen Bürgschaftsvertrag und eigenwillige Geschäftsführer zerbrechen.

Von links nach rechts: Mia Wätzel, Prisca von Hagen, Emma Bruhn, Kai Erik Ackermann, Alicia Riesner, Friedrich Preetz, Maren Busch, Timothy Stachelhaus, Alexandra Schmidt, Stephan Klawitter, Jennifer Hoh. Foto: Beate Waetzel Fotodesign


Die erste Hürde war für die Teams die Erstellung der Klagebegründung. Nach den ersten Anfangsschwierigkeiten nahmen die Schriftsätze erste Gestalt an. Nach einigem Verrücken von Textbausteinen und vielen hitzigen Diskussionen wurden die Klägerschriftsätze verschickt. Kurze Zeit später erreichten uns Klägerschriftsätze anderer Teams, auf die es nun zu erwidern galt. Das bedeutete zunächst, in allen Belangen umzudenken. Alles zuvor für den Klägerschriftsatz erarbeitete musste nun umgedreht werden, sodass wir das bestmögliche Ergebnis für die Beklagte erreichen konnten. So meisterten wir auch die zweite Etappe des Wettbewerbs und widmeten uns anschließend den Vorbereitungen für die mündliche Phase. Die mündliche Phase begann für uns in Hamburg beim Pre Moot Court, welcher durch die Bucerius Law School ausgerichtet wurde – vielen Dank für die perfekte Organisation an dieser Stelle! In der ersten Runde wurden wir zunächst noch ins kalte Wasser geworfen, lernten aber in der zweiten Runde, uns über Wasser zu halten. Diese Veranstaltung war eine hervorragende Übung für die Teams und ein Vorgeschmack auf den Showdown in Hannover. Die monatelange Vorbereitung fand ihren Höhepunkt in Hannover. „Ich möchte wissen, was da draußen ist.“, so hat es der Physiker Stephen Hawking formuliert, und das traf auch auf die beiden Teams der HU zu. Immer wieder wurden die Probleme der Fallakte besprochen, sodass die Aufregung und Neugier auf „draußen“ bis zu den Verhandlungen ins Unermessliche stiegen.

29 Teams von 17 deutschen Universitäten traten an der Leibniz Universität Hannover gegeneinander an und versuchten, die fachkundigen Jurorinnen und Juroren, Richter und Richterinnen zu überzeugen. Jede Verhandlung war anders, aber durchweg anspruchsvoll. Dennoch waren alle acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Humboldt-Universität hochkonzentriert und mit Herzblut dabei. Die Erfahrungen, die wir machen konnten, waren mit Sicherheit einzigartig und wertvoll. Die intensive Auseinandersetzung mit der Fallakte sowie die mündlichen Verhandlungen in Hannover waren die beste Möglichkeit, während des Studiums einen Einblick in den Anwaltsberuf und -alltag zu erhalten.

Die Teams bedanken sich sehr für die Unterstützung, Organisation, intensive Betreuung und Geistesblitze unserer Coaches Jennifer Hoh, Friedrich Preetz, Stephan Klawitter und Kai Ackermann. Auch ohne den Einsatz von Prof. Dr. Reinhard Singer würde es für  die Studentinnen und Studenten der Humboldt-Universität nicht möglich sein, am Soldan Moot Court teilzunehmen. Bei den Kanzleien BMH Bräutigam & Partner, CMS Hasche Sigle und Taylor Wessing möchten wir uns für die wertvollen Tipps bedanken, die sie uns  mit auf den  Weg gaben. Dank ihnen konnten wir viel über den Anwaltsberuf lernen. Bei Letzterer sowie bei den Kanzleien Freshfields, Römermann Rechtsanwälte und Giesen Heidbrink bedanken wir uns schließlich für die finanzielle Unterstützung, die es uns ermöglicht hat, die Fahrten nach Hamburg und Hannover ohne Selbstkosten anzutreten. Nicht zuletzt gebührt ein großes Dankeschön der Fakultät und dem Humboldt Moot Club e.V., ohne deren Unterstützung die Durchführung von Moot Courts an der Humboldt-Universität kaum möglich wäre!

Wir hoffen, dass auch in Zukunft viele Studentinnen und Studenten der Humboldt-Universität  die Möglichkeit bekommen, ihr Können in Hannover zu zeigen! Am Ende möchten wir auch nicht versäumen, dem Team I der Bucerius Law School sowie dem Team Bonn zu einer beeindruckenden Leistung im Finale zu gratulieren.

 

Headerfoto: By Beek100 (Own work) [CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons
Autor
  • Mia Wätzel
    Mia Wätzel studiert im sechsten Semester Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie absolviert den Schwerpunkt „Zivilrechtliche Rechtsberatung und Rechtsgestaltung“. Neben dem Studium ist sie als studentische Mitarbeiterin bei CMS Hasche Sigle in Berlin beschäftigt.
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