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Travel Risk Management

Wie schützen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter vor Gefahren im Ausland?

Ihr Mitarbeiter wird während einer Dienstreise im Libanon entführt. Es gibt eine Lösegeldforderung. Undenkbar? Völlig unrealistisch? Vielleicht, und möglicherweise haben eine Vielzahl von Dienstreisen auch nicht den Libanon zum Ziel aber anzuerkennen ist gleichwohl, dass in einer Zeit, in der mehr Dienstreisen ins Ausland unternommen werden, als vielleicht vor 50 Jahren und in einer Zeit, in der verschiedenste meist religiöse Terrorgruppen eine terroristische Bedrohung auch in Europa nicht mehr ausschließen lassen, sich Arbeitgeber auch außerhalb deutscher Grenzen Gedanken über die Sicherheit ihrer ins Ausland geschickten Mitarbeiter machen müssen. 

Bei juristischer Betrachtung folgt dies aus der sog. Fürsorgepflicht, die der Arbeitgeber gegenüber seinem Arbeitnehmer hat und die gesetzlich verankert in § 241 Abs. 2 BGB ist. Dort heißt es: „Das Schuldverhältnis kann nach seinem Inhalt jeden Teil zur Rücksicht auf die Rechte, Rechtsgüter und Interessen des anderen Teils verpflichten.“ Die Fürsorgepflicht ist eine Nebenpflicht im Arbeitsverhältnis und steht spiegelbildlich zu der Treupflicht des Arbeitnehmers. Verletzt der Arbeitgeber seine Fürsorgepflicht schuldhaft, so macht er sich schadenersatzpflichtig gemäß § 280 Abs. 1 BGB.

Im Hinblick auf Auslandseinsätze – dauerhaft oder temporär – obliegt es dem Arbeitgeber den Arbeitnehmer hierauf vorzubereiten. Dabei ist ein abgestuftes Maß an Vorbereitung und darin zum Ausdruck kommender Fürsorge erforderlich. So ist für einen mehrwöchigen Aufenthalt in den USA als einem vergleichbaren Kulturraum eine geringere Vorbereitung ausreichend, für eine dreitägige Reise in den Irak wäre die Vorbereitung intensiver auszugestalten. Damit wird deutlich: der Fokus liegt weniger auf der Länge des Aufenthalts als auf der Frage, wie fremd der Aufenthaltsort nach seiner politischen und religiösen Prägung und damit verbunden nach seinen Arbeits- und Lebensumständen ist. 

Eine Aufklärungspflicht des Arbeitgebers besteht aber jedenfalls im Hinblick auf Gefährdungen durch bekannte oder drohende gesellschaftliche Unruhen und natürlich medizinische und klimatische Aspekte. Angezeigt kann er gerade bei längeren Aufenthalten auch sein, Arbeitnehmern ein vorbereitendes Sprach- und Kulturtraining anzubieten und in Zeiten des Terrors gibt es auch Dienstleister die beispielsweise das Verhalten bei Entführungen im Ausland vorab trainieren. 

Ob Arbeitgeber dazu verpflichtet sind, entsprechende Trainings anzubieten ist letztlich immer eine Einzelfallbetrachtung. Jedenfalls bei Reisen in absolute Krisengebiete kann dies aber im Rahmen der Fürsorgepflicht erforderlich sein. 

Für private Unternehmungen während der Zeit im Ausland gilt allerdings: dem Arbeitgeber sind nicht sämtliche Risiken privater Lebensgestaltung aufzuerlegen. Damit verbundenen Risiken verbleiben beim Arbeitnehmer. Der Arbeitnehmer ist zudem verpflichtet, sich vor Ort laufend über sich verändernde Einschätzungen der Sicherheitslage auf dem Laufenden zu halten. 

Abschließend noch ein steuerlicher Hinweis: Lösegeldzahlungen für Entführungen von Arbeitnehmern sind Betriebsausgaben.

Autor
  • Ina Jähne
    Ina Jähne ist als Rechtsanwältin und Fachanwältin für Handels- und Gesellschaftsrecht tätig sowie bei der Beratung und Vertretung im Berufsrecht.
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