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Gastbeitrag: Facebook darf IPTC-Daten nicht löschen

Urteil des LG Hamburg stärkt Rechte von Fotografen

Fotografen vermerken in den Metadaten ihrer Fotos ihren Namen und weiterführende Bildbeschreibungen. In Anbetracht einer nicht kontrollierbaren Weiterverbreitung von Fotos im Internet durchaus eine zentrale Funktion, um die Urheberschaft kenntlich zu machen. Aber sind diese Daten durch § 95c des Urheberrechtsgesetzes geschützt? Ja, stellte das Landgericht Hamburg unlängst klar. Bei dem Verfahren ging es um die Löschung von IPTC-Daten beim Upload von Fotos bei Facebook.

Das Internet ist voll von Urheberrechtsverstößen unterschiedlichster Art. Einer der häufigsten Rechtsverstöße ist die unberechtigte Nutzung von Bildern, der „Bilderklau“. Zahlreiche digitale Werkzeuge können beim Auffinden unrechtmäßig verwendeter Bilder behilflich sein. Eines dieser Werkzeuge ist die Volltextsuche. Diese liest die Dateiinformationen der Bilder, auch IPTC-Daten genannt, aus. In den IPTC-Daten, einem internationalen Standard zur Beschriftung digitaler Dateien, vermerkt der Fotograf seine Urheberschaft, die Kontaktdaten und die Bildbeschreibung. Diese Daten sind unerlässlich, um den Urheber und Nutzungsrechteinhaber des Fotos eindeutig identifizieren zu können. Ebenso ist die digitale Beschriftung ein wichtiges Instrument, um Bilder zu beschreiben, die abgebildeten Personen, Orte und Sachen zu benennen und missbräuchliche Verwendung – auch in einem anderen Sinnzusammenhang – zu vermeiden.

Einen Haken hat die Suche nach Bildern via IPTC-Daten allerdings: viele Systeme löschen diese beim Upload der Bilder. Ein rechtskräftiges Gerichtsurteil des Landgerichts Hamburg (Az.: 308 O 48/15) stärkt die Rechte der Bildurheber aber. FREELENS, der größte Berufsverband für Fotografen in Deutschland, bzw. deren Vorstandsmitglied, der Fotograf Rainer Steußloff, hatte das soziale Netzwerk Facebook verklagt und gewonnen. 

Die im Berufsverband FREELENS organisierten Urheber ärgerte es schon lange, dass der Social Media Platzhirsch konsequent diese Daten löscht und so gegen den § 95c des Urheberrechtsgesetzes verstößt. Der Gesetzgeber hat unmissverständlich darin festgeschrieben: „Von Rechtsinhabern stammende Informationen für die Rechtewahrnehmung dürfen nicht entfernt oder verändert werden…“ Daran hat sich Facebook auch nach Aufforderung durch FREELENS nicht gehalten und begründete sein rechtswidriges Vorgehen u.a. ausgerechnet mit dem Datenschutz.

Das Löschen der Daten hat zur Folge, dass täglich unzählige, quasi verwaiste Werke, im Netz landen. Niemand weiß mehr, wer die Rechte an den Bildern hält. Dieses Vorgehen von Facebook ist typisch für viele Plattformen, die mit dem „User-generated content“ ihr Geschäftsmodell gefunden haben, aber auch für viele Zeitungsverlage, die die IPTC-Informationen der Urheber vor Veröffentlichung im Netz aus den Fotos löschen.

Das Urteil gegen Facebook erging bereits im Februar 2016. Bis es am Firmensitz in Dublin ordnungsgemäß zugestellt war, dauerte es bis in den Spätherbst, da sämtliche Zustellungen im diplomatischen Verkehr erfolgen mussten. (Pressemeldung). Ein knappes Vierteljahr später hat Facebook nichts an seiner rechtswidrigen Praxis geändert, es missachtet weiterhin das Urheberrecht. FREELENS überlegt sich nun weitere Schritte gegen den Social Media Riesen, aber auch gegen andere Betreiber von Internetportalen. Für den Fall, dass Facebook das Urteil missachtet, eine Zuwiderhandlung also eintritt, hat das Landgericht Hamburg übrigens ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 € für jeden Verstoß oder eine Ordnungshaft von bis zu 6 Monaten in das Urteil geschrieben.
 

Foto: FREELENS-Stand auf dem Lumix-Festival, Fotograf: Florian Manz
Autor
  • Roland Geisheimer
    Roland Geisheimer ist Vorsitzender von FREELENS und Mitbegründer des Fotografenkollektivs attenzione photographers. FREELENS e. V., der Berufsverband für Fotografen, wurde 1995 gegründet und ist mit über 2400 Mitgliedern die größte Fotografenorganisation in Deutschland. Foto: Christian O. Bruch
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