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Wann fallen Zinsen an?

Verzinsung von Steuernachzahlungen

Üblicherweise zahlt ein Steuerpflichtiger „nur“ seine übliche Steuer. Sollte er die Steuererklärung verspätet abgeben – vorausgesetzt er ist überhaupt zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet – so muss er die Steuerlast verzinsen und die Zinsen zahlen. Allgemein sieht die Abgabenordnung viele verschiedene Gründe vor Zinsen zu bezahlen. So gibt es zum Beispiel Stundungszinsen, Hinterziehungszinsen oder auch die Verzinsung von Steuernachforderungen. Der folgende Artikel dient in erster Linie dem Hinweis für Unternehmen und Selbstständige, dass Steuernachforderungen oftmals – völlig legitim – eine Verzinsung mit sich ziehen, auch wenn man seinen steuerrechtlichen Pflichten nachgekommen ist. 

Die (Einkommen-)Steuer entsteht grundsätzlich mit Ablauf des Kalenderjahres, also mit dem 31. Dezember. Nach § 233a Abgabenordnung beginnt der Zinslauf 15 Monate nach der Steuerentstehung, also ab dem 1. April des nächsten Jahres. Ab diesem Zeitpunkt ist die Steuerforderung mit 0,5 % je Monat zu verzinsen, also mit 6 % pro Jahr. Beispiel: Mit dem Ablauf des Jahres 2019 entsteht die Einkommensteuer für das Jahr 2019. Sollte diese 10.000 Euro betragen, wäre die Steuerschuld ab dem 01.04.2020 mit 6 % pro Jahr zu verzinsen. Würde man die Steuerschuld nicht bezahlen, würde man neben den 10.000 Euro am 1. April 2021 zusätzlich 600 Euro zahlen müssen.

Eine derartige Verzinsung ist allerdings auch dann zu zahlen, wenn der Steuerbescheid korrigiert wird. Besonders nach Betriebsprüfungen kommt es zu Steuernachforderungen, die dann ggf. zu verzinsen sind. Das bedeutet, dass der Steuerpflichtige sogar dann Zinsen zu zahlen hat, wenn die Verspätung völlig unverschuldet ist. Dies gilt auch, wenn der korrigierte Steuerbescheid etwa auf Grund von Krankheit oder Arbeitsüberlastung des Prüfers verspätet erlassen wird. Daher kann es passieren, dass Steuerpflichtige ordnungsgemäß und fristgerecht eine Steuererklärung abgeben, die berechnete Steuerschuld in voller Höhe bezahlen und nach einer Betriebsprüfung plötzlich nicht nur eine Steuernachzahlung leisten müssen, sondern diesen Wert über Jahre hinweg – rückwirkend – verzinsen müssen mit 6 %.

Sinn und Zweck dieser Regelung ist die gewollte Abschöpfung des Zinsvorteils des Steuerpflichtigen, denn der Steuerpflichtige hätte in dieser Zeit das Geld investieren und von Zinsvorteilen profitieren können. Dass es heutzutage utopisch ist von 6 % Zinsen (pro Jahr) auszugehen, spielt für die Finanzgerichte keine Rolle. Begründet wird dies damit, dass es sich um eine pauschale Verzinsung handelt. Der Steuerpflichtige könnte theoretisch einen noch höheren Gewinn machen, etwa durch zwischenzeitlichen Aktienhandel. 

Ein Lichtblick ist allerdings der Umstand, dass die Zinspflicht auch für das Finanzamt gilt. Sollte festgestellt werden, dass Sie zu viele Steuern entrichtet haben, wird der zu viel bezahlte Betrag ebenfalls verzinst. Berücksichtigten Sie jedoch, dass es sich dann wieder um Zinserträge handelt, die Sie wiederum gem. § 20 Abs. 1 Nr. 7 S. 3 EStG zu versteuern haben.

Eine Möglichkeit die Zinspflicht auszuschließen gibt es nicht. Es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass ein Steuerpflichtiger das Risiko reduzieren kann, indem er die Steuererklärung so früh wie möglich abgibt. Dadurch kann das Finanzamt früher mit einer Prüfung beginnen. Außerdem sollte der Steuerpflichtige auch seinen Mitwirkungspflichten jederzeit umfassend nachkommen, weil so die Prüfung reibungslos und zeitnah durchgeführt werden kann. 

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